Ziegen

 

„Ziegen im Geschirr haben eine ebenso lange Geschichte wie Großtiere vor dem Wagen. Sie wurden sowohl in den sehr armen Gegenden als Pferdeersatz und in sehr reicher, meist adeliger Gesellschaft als „Spielzeug“ für die Kinder eingesetzt. An den europäischen Fürstenhöfen vergangener Jahrhunderte war es üblich, wunderschön verzierte und von Schafen und Ziegen gezogene Gespanne zu halten. Der Sohn Napoleons III. besaß eine beeindruckende Kalesche gezogen von weißen Ziegen. In Großbritannien blüht diese Kultur weiterhin. Die Harness Goat Society richtet Turniere und Veranstaltungen aus und steht Neulingen mit Rat und Tat zur Seite. Dabei sind es nicht selbst gezimmerte Wagen, die die Tiere meist zweispännig ziehen, sondern es handelt sich um detailgetreue Miniaturen eleganter Jagdwagen, Wagonetten und auch Einachser. Very british eben! Dieses faszinierende Tradition geht auf das Jahr 1897 zurück, in dem die Society gegründet wurde, um den sachgemäßen Umgang mit Ziegen, die an den Strandpromenaden kleine Wagen zogen, zu gewährleisten. Hierzulande sind solche Prachtstücke eine Seltenheit. Kleine „Ackerwagen“ sind die häufigsten verwendeten Fahrzeuge (…).“ Von den Marken Peugeot und Studebaker ist bekannt, dass sie einst mit Ziegen- und Hundekutschen ihre Produktion begannen.

Aus den USA kennt man das Phänomen der wandernden Fotografen Ende des 19. Jahrhunderts. Angeblich sollen sie mit besonders aufwendig herausgebrachten Ziegengespannen die spielenden Kinder auf den Straßen aufmerksam gemacht haben, um den Eltern eine Fotografie der „ach so niedlichen“ Zöglinge an den Leinen abzuringen.

Nach wie vor arbeiten überall auf der Welt Ziegen für den Menschen, tragen Lasten über schwer zugängliche Gebirgspässe, ziehen Produkte zu den Märkten, geben ihre Wolle (Kaschmir), ihre Milch und ihr Leben. Zeit einmal Danke zu sagen, zu einem Mitgeschöpf, dessen Arbeitskraft der vergangenen Jahrhunderte noch weniger bekannt ist, als die der Pferde oder Rinder. Im Zugpferdemuseum leben 15 Ziegen (Toggenburger, Harzer, Bunte Deutsche Edelziegen und Zwergziegen) sowie drei Ouessant-Schafe. (Auszug aus unserem Buch „Ziegen, treue Freunde mit Köpfchen“, Ann-Marie-Hagenkötter)