Speditionen
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Museumspädagogik auf dem Bock: Schnupperkurs.
Der Holsten-Sechserzug: Im Zugpferdemuseum zuhause.
Stückguttransport en miniature: Diorama „Spedition“.

 

Lange bevor „Stahlkisten“ die internationalen Frachtstrukturen tiefgreifend verändert haben, nutzte die pferdebespannte Logistik schon ein ähnliches System der standardisierten Transportbehälter.   Schon im Jahre 1881 kam es zur Gründung der Deutschen Möbeltransport Gesellschaft (DMTG), als erster Vereinigung auf überregionaler Ebene und Zuweisungspflicht von Mitglied zu Mitglied. Dahinter stand der Zusammenschluss von Speditionen, die sich speziell dem Möbeltransport gewidmet hatten. Grundgedanke war die Schaffung von Transportstandards um die überregionalen, nationalen und internationalen Umzüge in einem geordneten Netzwerk anbieten zu können. Da für die Langstrecke ausschließlich der Bahntransport genutzt wurde, die An- und Auslieferung aber pferdebespannt vorgenommen wurde, galt es, ein für alle Mitgliedsunternehmen gleiches Transportsystem zu entwickeln. Dies geschah umgehend mit der Einführung des eisenbahntauglichen Standard-Möbelwagens für den überregionalen Radius und dem Möbel-Lift-Van (eine dem heutigen Stahl-Container ähnliche Holzkiste für den internationalen Transport). 

Damit dem Bahnmöbelwagen das Erreichen einer außergewöhnlichen Erfolgsbilanz (binnen weniger Jahre entstanden rund 25.000 Wagen!) möglich war, mussten eine Reihe von Voraussetzungen berücksichtigt werden: Die Bahn definierte zunächst den sogenannten „Regellichtraum“, der die äußeren Grenzen – die keinesfalls überschritten werden durften – festlegt, um das rollende Material nicht durch Kunstbauten wie Tunnels, Brücken oder Gebäude zu gefährden. Damit war die runde Dachform festgeschrieben – im Widerspruch zur Ladetechnik, die einen eckigen Raum effektiver nutzen kann.  Weiter musste der Kutschbock klappbar sein, um zwei Wagen auf einem gebräuchlichen 11-Meter-Waggon unterzubringen. Die kleinen, dafür aber äußerst stabilen, Räder  erhöhten das Ladevolumen. Gesichert  wurde der Wagen durch das vorgeschriebene Mitführen von Hammer und Nägeln, 12 Holzkeilen (für jedes Rad drei), Ketten zum Verzurren, eine Zugstange zum Rangieren.
Ein flexibles Transportsystem war entstanden. Die mit Umzugsgut beladenen Wagen wurden von der Möbel-Spedition am Ausgangs-Güterbahnhof angeliefert (auf gepflasterter ebener Straße in der Regel zweispännig - besondere Lasten, Steigungen oder unbefestigte Wege wurden vierspännig gefahren), mit der Bahn zum Anlieferungs-Güterbahnhof transportiert, um von dort weiter mit einem Speditions-Kollegen an die gewünschte Adresse verbracht zu werden.

Der Rücktransport des Wagens geschah im günstigen Fall beladen – oder als „Leergut“ zu besonderen Bahnkonditionen.

Der Bahnmöbelwagen der Spedition Carl Balke ist auf Wunsch auch noch heute im Einsatz – Informationen: www.balke-umzug.de